Wissenstransformation und Menschenbild
Die Hirnforschung revolutioniert unser Wissen über geistige Fähigkeiten und die Lebenswissenschaften
entwickeln immer neue Eingriffsmöglichkeiten zur Gestaltung und Beeinflussung der Person
(die im günstigen Fall zur Heilung bzw. Linderung von Krankheiten eingesetzt werden, z.B. Neuroimplantate
bei Parkinson). Genetik und Physiologie eröffnen ebenfalls weitreichende Möglichkeiten zur Veränderung der
biologischen Ausstattung des Menschen; die an sie anschließenden medizinischen Entwicklungen stellen
traditionelle Annahmen der Anthropologie in Frage.
Vor allem auf Grund neuerer Entwicklungen in den „Life Sciences“ und in den Neuro-wissenschaften
gewinnt die Anthropologie in jüngerer Zeit wieder immens an Bedeutung; Aufgabe der Geisteswissenschaften
im 21. Jahrhundert ist es, den Herausforderungen der Naturwissen-schaften durch eine Neubestimmung des
Menschen zu begegnen, die die Resultate der Naturwissenschaften angemessen aufnimmt, ohne dabei in einer
deskriptiven bzw. rezeptiven Haltung zu verharren. Es wird eine Theoriebildung angestrebt, die in Bezug
auf die Wissensbestände stark interdisziplinär verankert ist, aber zugleich den Begriff des Menschen in
einer solch fundierten Weise neu bestimmt, dass er auch in normativer Weise verwendet werden kann.

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